Veränderte Hausaufgabenpraxis aufgrund von Lernzeiten

Lernzeiten

Da zum Schuljahresbeginn 2009/2010 der Stundenplan an unserer Schule in der Schuleingangsphase aufgrund unterrichtsorganisatorischer Erfordernisse neu gestaltet werden musste, ergab sich die Gelegenheit, täglich eine Lernzeitstunde in den Vormittag zu integrieren. Alternativ zu den Hausaufgaben wird den Schülerinnen und Schülern hier u. a. Raum und Zeit gegeben, Kompetenzen im Bereich des selbstständigen Arbeitens zu erwerben und ihr Lernen individuell zu gestalten. Seit dem Schuljahr 2012/2013 haben wir die Lernzeiten auch sukzessiv in den Klassen 3 und 4 verankert. Entsprechend der Stundentafel finden in der Klasse 3 drei und in der Klasse 4 zwei Lernzeitstunden pro Woche statt. So ist gewährleistet, dass die Schülerinnen und Schüler ihre methodischen Kompetenzen weiter ausbauen bzw. festigen können.

Einzelne Zielsetzungen

Die Schülerinnen und Schüler  sollen

  • die Möglichkeit zur Entschleunigung ihres Schulvormittags erhalten und in ihren basalen Fähigkeiten und in den verschiedenen Wahrnehmungsbereichen individuell gezielt gefördert werden,
  • Zeit für die Fertigstellung von Lernaufgaben haben, die aus dem Unterricht erwachsen sind und wieder zu ihm zurückführen,

  • im Unterricht erarbeitete Inhalte vertiefend üben und festigen,
  • ihre Lernentwicklung durch unterrichtsbegleitende Lern- und Übungsangebote individuell vorantreiben.

Die Lernaufgaben werden unter Berücksichtigung der individuellen Förderbedarfe der Schülerinnen und Schüler von der Lehrkraft ausgewählt und zur Verfügung gestellt. In enger Absprache mit der Lehrkraft begleitet und unterstützt die pädagogische Fachkraft den Lernprozess der Schülerinnen und Schüler in den Lernzeitstunden.

Hausaufgaben

  • sind Aufgaben, die im Unterricht gestellt und von den Schülerinnen und Schülern außerhalb der Unterrichtszeit bis zu einem vereinbarten Zeitpunkt bearbeitet werden.
  • können mit unterschiedlichen Zielsetzungen vergeben werden (z. B. Unterrichtsinhalte einprägen, einüben, anwenden, vorbereiten).
  • sind unbedingt entsprechend der individuellen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sowie unter Berücksichtigung der Interessen der Schülerinnen und Schüler zu differenzieren, damit diese selbstständig, also ohne elterliche Unterstützung, von den Schülerinnen und Schülern bearbeitet werden können.

Nach dem RdErl. d. Ministeriums für Schule und Weiterbildung v. 05.05.2015 (ABl. NRW. S. 270) soll der zeitliche Umfang zur Bearbeitung von Hausaufgaben in der Schuleingangsphase nicht mehr als 30 Minuten und in den Jahrgangsstufen 3 und 4 nicht mehr als 45 Minuten täglich betragen. An offenen Ganztagsschulen soll die Erledigung der Hausaufgaben möglichst in den Unterrichtstag integriert werden, damit den Schülerinnen und Schülern genügend Raum für eigene Freizeitaktivitäten außerhalb der Schule verbleibt. Deshalb sind neben den Lernzeiten im Vormittagsbereich weitere Lernzeiten im Nachmittagsbereich von 45 Minuten jeweils montags, dienstags und mittwochs vorgesehen.

Hausaufgaben – Vereinbarungen

Da die Schülerinnen und Schüler der Schuleingangsphase täglich eine Lernzeitstunde im Vormittagsbereich haben, in der sie u.a. auch unterrichtsbezogene Aufgaben bearbeiten, beschränken sich die Hausaufgaben in diesen Klassen (zumindest im 1. Schulbesuchsjahr) auf die Erledigung mündlicher Aufgaben, deren Inhalte durch kontinuierliche Übung eine wichtige Basis für das Lernen darstellen, wie z. B. Lesen oder Kopfrechnen. Hier ist in besonderer Weise die Mitarbeit der Eltern gefordert.

Im Laufe des 2. Schulbesuchsjahres finden dann auch schriftliche Aufgaben Berücksichtigung, um die Schülerinnen und Schüler mit Blick auf eine mögliche Rückschulung und den Übergang in Klasse 5 auf die Lernorganisation an einer Grundschule oder der weiterführenden Schule vorzubereiten. Um die Schülerinnen und Schüler an schriftliche Hausaufgaben heranzuführen, sprechen die Lehrpersonen mit ihnen ab, welche Hausaufgaben bis zum nächsten Tag zu bearbeiten sind. Sie werden dann von der Lehrperson kontrolliert.

Zum Ende der Schuleingangsphase werden die Schülerinnen und Schüler allmählich daran gewöhnt, mit einem Hausaufgabenplan zu arbeiten, der weiterhin ihre Interessen berücksichtigt, aber auch von der Lehrperson vorgegebene Aufgaben beinhaltet. Diese Umstellung auf einen Hausaufgabenplan ist als Lernprozess zu sehen, der die Entwicklung zur Selbstständigkeit und zum eigenverantwortlichen Arbeiten der Schülerinnen und Schüler unterstützt. Es ist daher möglich, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig in der Lage sind, mit einem solchen Plan zu arbeiten. Gegebenenfalls sind für einzelne Schülerinnen und Schüler auch weiterhin Hausaufgaben sinnvoll, die von Tag zu Tag zu bearbeiten sind. Ziel ist es, dass zum Ende der Klasse 3 alle Schülerinnen und Schüler einen kompetenten Umgang mit dem Hausaufgabenplan erworben haben. Durch die Verankerung von Lernzeitstunden am Vormittag in den Klassen 3 und 4 besteht die Möglichkeit, eine weitere Verzahnung von Hausaufgaben und Lernzeiten zu schaffen, indem die Schülerinnen und Schüler auch in diesen Stunden eigenverantwortlich an ihren Hausaufgabenplänen arbeiten können. Im Rahmen der Arbeit mit einem Plan sind die Hausaufgaben innerhalb einer Woche zu erledigen und werden dann von der Lehrperson kontrolliert.

Im offenen Ganztag gilt die Vereinbarung auf die selbstständige Erledigung der Hausaufgaben durch die Schülerinnen und Schüler zu achten und keine Korrektur der Aufgaben vorzunehmen. Diese Verabredung wurde auch mit den Eltern und Erziehungsberechtigten für den häuslichen Bereich getroffen.

Falls Hausaufgaben im häuslichen Bereich oder im offenen Ganztag im vereinbarten Zeitrahmen nicht erledigt werden können, erfolgt eine begründete Rückmeldung an die Lehrkraft. Nicht erledigte Hausaufgaben werden von den Schülerinnen und Schülern eigenverantwortlich nachgeholt. 

Eltern und Erziehungsberechtigte, die über die Hausaufgaben hinaus ihre Kinder mit weiteren Übungsaufgaben unterstützen möchten, erhalten von der Lehrkraft entsprechende Anregungen und Hilfen.

Da sich Übungen aus dem Bereich der Sprachförderung und -therapie in allen Jahrgangsstufen am individuellen Förderbedarf der Schülerinnen und Schüler orientieren, werden diese ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit Eltern und Erziehungsberechtigten vergeben.

Am 16. April 2013 veranstaltete die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Düsseldorf ein Transferforum zum Thema „Von Hausaufgaben zu individuellen Lernzeiten“.

Berichte, Arbeitsergebnisse und weiterführende Hinweise unter: