Mathematik

Besonders wichtig ist das Verständnis der Pränumerik mit dem Ziel, eine Dyskalkulie (Rechenschwäche) zu vermeiden.

Zum Aufbau eines mathematischen Verständnisses spielt die Sprache als „Stützfunktion der Intelligenz“ eine wichtige Rolle. Dabei ist es aber nicht entscheidend, dass das Kind die Zahlenreihe von 1 bis 10 beherrscht, sondern vielmehr, ob es ein korrektes Mengenverständnis entwickelt hat.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Lernanfängern mit sprachlichen Auffälligkeiten, noch vor dem Umgang mit Zahlen, wichtige Begriffe im Bereich der Pränumerik („Vorzahliger Bereich“) fehlen. Besonders Störungen auf der semantischen Sprachebene (u. a. ein eingeschränkter Wortschatz) führen zu Schwierigkeiten im Aufbau mathematischer Bedeutungen. So werden z. B. Begriffe bezüglich der

  • Formen (Dreieck, Viereck, Kreis),
  • Farben und
  • Größen (groß – klein, lang – kurz, dick – dünn)

noch nicht beherrscht. Auch Begriffe zum Vergleich von Mengen wie „mehr“, „weniger“ und „gleich viele“ sind für die Schülerinnen und Schüler nicht ohne Weiteres abrufbar. Störungen im Bereich der Sprachproduktion erschweren es den Lernanfängern, Erklärungen und Begründungen mathematischer Erkenntnisse oder Zusammenhänge zu formulieren. So fällt es ihnen schwer, 1 zu 1 – Zuordnungen sprachlich zu begleiten (z. B. beim Tischdecken: für jedes Kind ein Messer, für jedes Kind ein Glas) oder das Invarianzprinzip (Grundsatz der Mengenerhaltung) sprachlich zu durchdringen und zu begründen.

Auch die Bildung einer Seriation (von kurz zu lang, von viel zu wenig) sprachlich zu erläutern, stellt eine große Herausforderung dar. Bevor sich die Lernanfänger also sprachlich mit den Zahlen und den verschiedenen Rechenoperationen auseinander setzen, wird in den ersten Wochen im Anfangsunterricht an unserer Schule im Bereich der Pränumerik gearbeitet.

Die Schülerinnen und Schüler sollen schon bei einfachen Inhalten lernen Sprache „mathematisch“ richtig zu gebrauchen. Ist der pränumerische Bereich in der Verknüpfung von Mathematik und Sprache weitestgehend gesichert, so gelingt über die Seriation der Einstieg in die Zahlenwelt. Auch hier ist zu beachten, dass aufgrund von auditiven Diskriminationsstörungen ähnlich klingende Wörter wie „eins“, „keins“, „zwei“ oder „drei“ schnell verwechselt werden. Diese Verwechslungen können zu Schwierigkeiten in der Begriffsbildung (z. B. Mengen-/Zahlbegriff) führen.

Daher sind für die Lernanfänger eine akzentuierte Lehrersprache und eine ruhige Lernatmosphäre besonders wichtig. Damit die Schülerinnen und Schüler mathematische Inhalte besser durchdringen können, ist es im Anfangsunterricht an unserer Schule ein durchgängiges Prinzip, mathematische Situationen nachzuspielen und mathematische Handlungen zu versprachlichen. So werden Rechengeschichten von den Kindern aktiv mit „Leben“ gefüllt.